Geldvermögen verliert an Wert                  

 

Rudolf Fuchs, frühere Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Mainfranken, sprach zur Niedrigzinspolitik der EZB.                    

 

Seit Frühjahr dieses Jahres ist Rudolf Fuchs, der frühere Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mainfranken zweiter Vorsitzender des Arbeitskreises auf Burg Rothenfels. Am Donnerstag hielt er in der Lohrer Sparkassen-Filiale für die Mitglieder einen Vortrag zum Thema „Banken im Umfeld der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank“. Wenige Stunden zuvor hatte dieses Institut, dessen wichtigste Aufgabe es ist, die Stabilität des Euro aufrechtzuerhalten, beschlossen, „keine neuen Grausamkeiten“ zu begehen, aber an der extremen Niedrigzinspolitik festzuhalten.

Der Referent wies darauf hin, dass diese Politik der EZB eine Folge der Bankenkrise ist, deren Nachwehen noch nicht überwunden sind. Die Staatsschuldenkrise hat die Auswirkungen noch verstärkt. Die Folge: die Erträge der Banken verringern sich und damit deren Möglichkeit zur Eigenkapitalbildung. Dieser Effekt trifft vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Wenn sich dann auch noch die Personalkosten erhöhen, wird die Lage für die Geldinstitute kritisch. Besonders den Stiftungen geht es schlecht, denn auch deren Erträgnisse hängen sehr von der Höhe der Zinsen ab.

Alle Maßnahmen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken, sind mit Risiken behaftet, die sorgfältig abgewogen werden müssen. Dazu gehören unter anderem eine Ausweitung des Kreditgeschäfts, die Reduzierung der Einlagen-Zinssätze im Neugeschäft, Forcierung des Provisionsgeschäfts und die Neustrukturierung der eigenen Wertpapiere.

Kosten lassen sich verringern durch Optimierung der Arbeitsabläufe, durch Kooperationen und Auslagerungen oder durch die Schließung von Geschäftsstellen. „Das wäre allerdings der Extremfall“, fügte Fuchs hinzu. Alternativen könnten Selbstbedienungs-Geschäftsstellen sein, oder die Forcierung des Internet-Bankings. Auch eine Einschränkung der Öffnungszeiten wäre eine Option. Kurzfristig seien viele dieser Maßnahmen allerdings nicht umsetzbar. Man müsse Prioritäten setzen.

Für die Kunden der Banken, bergen niedrige Zinserträge die Gefahr, dass ihre Einkünfte nicht mehr für den Lebensunterhalt ausreichen. Weil sich Sparen nicht mehr lohnt, wächst der Konsum und weil die Inflationsrate höher ist als die Zinsen, verliert das Geldvermögen an Wert. Diesen Nachteil auszugleichen, könne nicht Aufgabe der Banken sein.

Gleichzeitig wächst die Gefahr, dass die Kunden, um höhere Erträge zu erzielen, riskante Anlageformen wählen. Profitieren können von den niedrigen Kreditzinsen Unternehmer, aber auch Private bei Investitionen. Existenzgründungen werden erleichtert, doch auch hier ist Vorsicht geboten: Wenn die Zinsen wieder steigen, kann es ein böses Erwachen geben.

Die jetzige Niedrigzinsphase wird enden, wenn die Krisensituation zu Ende geht, bei Angleichung der Zinsunterschiede und beim Rückfluss von privatem Kapital in den Euro-Raum, bei Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit – aber auch wenn Inflationsgefahr droht.

Höhere Erträge sind stets mit höheren Risiken verbunden. Man sollte daher immer nur einen Teil seines Geldvermögens in Aktien und ähnlichen Anlagen investieren und zwar den Teil, auf den man nicht kurz- oder mittelfristig angewiesen ist. Wer hingegen auf eine sichere Anlage setzt, muss niedrige Zinsen, unter Umständen sogar einen realen Wertverlust in Kauf nehmen.

Eine Diskussion gab es nicht erst zum Ende des Vortrags; Zwischenfragen trugen viel zum besseren Verständnis bei.

 

MainPost, 06.07.2014 - Johannes Ungemach