Europäische Geschichte und Gegenwart

 

Arbeitskreis Burg Rothenfels: Besuch im EU-Parlament und der bayerischen Vertretung

Gruppenbild vor der bayerischen Vertretung

 

Fünf Tage war der Arbeitskreis auf Burg Rothenfels vor gut einer Woche unterwegs in Belgien: auf den Spuren europäischer Geschichte und um sich über die Arbeit des europäischen Parlaments in Brüssel und über die Aufgaben der bayerischen Vertretung dort informieren zu lassen. Untergebracht waren die Teilnehmer der Reise in Antwerpen. Die Stadt an der Schelde ist einer der wichtigsten Häfen an der Nordsee. Der Reichtum der Stadt fand seinen Niederschlag nicht nur in stolzen Bürger- und Zunfthäusern, die sich rund um den großen Marktplatz mit dem imposanten Rathaus um die prächtige Kathedrale gruppieren, sondern auch im Wirken einer Reihe von Künstlern von Weltrang.

Auf den Spuren der Fuhrleute

Dass auch im Mittelalter und in der frühen Neuzeit Handelsbeziehungen in Europa nicht an Grenzen Halt machten, davon legt in Antwerpen noch heute der beachtliche Bau des »Hessenhuis« ab. Als »Hessen« bezeichneten damals die Einheimischen die Frammersbacher Fuhrleute, die hier ihre Niederlassung hatten. Das flämische Flandern und die französischsprachige Wallonie tragen einen für andere Europäer nur schwer verständlichen Sprachenstreit mit teilweise bizarren Auswirkungen aus. Die Hauptstadt Brüssel ist zweisprachig. Hier hätten sich die Teilnehmer neben den Besuchen des Europäischen Parlaments und der bayerischen Vertretung etwas mehr Zeit für die Besichtigung in der Altstadt gewünscht. Das Parlament in tagte in dieser Woche in Straßburg, aber die Mitarbeiter der Abgeordneten Dr. Anja Weisgerber informierten über die Arbeit und hatten zahlreiche Fragen zu beantworten.


Bei Heidrun Piewernetz

In der Bayerischen Vertretung, die ganz in der Nähe in einem ehemaligen wissenschaftlichen Institut untergebracht ist, stand Ministerialrat Christoph Pfaff Rede und Antwort zu Aufgaben und Arbeitsweise dieser nicht nur für Bayern wichtigen Institution und auch die frühere Stellvertretende Regierungspräsidentin in Würzburg, Heidrun Piewernetz, jetzt Leiterin der Vertretung, ließ es sich nicht nehmen, die Unterfranken zu begrüßen.  
Von Antwerpen aus erkundete man mit Hilfe von einheimischen Reiseführern die Städte Flanderns: Kortrijk, wo 1302 eine Schlacht von weltgeschichtlicher Bedeutung stattfand — erstmals errang ein von den Bürgern der flandrischen Städte aufgestelltes Heer den Sieg über ein französisches Ritterheer —und Outenarde.
Traurige Berühmtheit als Schlachtfeld im Ersten Weltkrieg erlangte Ypern, das bei den Kämpfen fast vollständig zerstört wurde, heute aber in alter Schönheit wieder  aufgebaut ist. In der Tuchhalle — Reminiszenz an die einstige Bedeutung der flandrischen Textilmanufakturen - erinnert ein eindrucksvolles Museum an die Schrecken des Krieges und mahnt zu Frieden und Völkerverständigung.



In Brügge und Ostende

Zu den schönsten Städten Belgiens gehört Brügge mit dem imposanten Rathaus aus dem 15. Jahrhundert und dem idyllischen Beginenhof, heute Benediktinerinnenkloster. Die Beginenhöfe geben nicht nur Zeugnis vom caritatiyen Wirken, sondern auch von frühen emanzipatorischen Bestrebungen von Frauen seit dem Ende des 12. Jahrhunderts. Bei einer Grachtenfahrt lernte man die Stadt von ihrer schönsten Seite her kennen. Außerdem besuchte man das Seebad Ostende mit seinem langen Strand und unternahm eine Fahrt entlang der belgischen Nordseeküste mit Eindrücken von idyllischen Badeorten, aber auch von Verlade-Einrichtungen.

 

 Karl Anderlohr für das Lohrer Echo im September