Reisebericht   „Höhepunkte Irlands“ vom 18. bis 25. Mai 2008

 

Sonderreise des Arbeitskreises Burg Rothenfels e.V.

 

 

  

Streckenverlauf der Irlandreise

 

Die „Grüne Insel“ im Visier

Eine Gruppe von 40 Personen des Arbeitskreises Burg Rothenfels bereiste vom 18. bis 25. Mai 2008 Irland, um vor Ort Land und Leute kennen zu lernen sowie aktuelle Informationen über die wirtschaftliche und politische Entwicklung des EU – Staates zu erhalten. Da bereits ein politischer Bericht mit dem Titel „Der Keltische Tiger im Herzen Europas“ mit Schwerpunkt Botschaftsempfang und Parlamentsbesuch erschienen ist, beschränkt sich dieser Bericht auf den touristischen Ablauf der Reise in der Republik Irland.

Einzigartige Landschaften, prähistorische Gräber und antike Stätten, zerfallene Burgen und Klosteranlagen mit mittelalterlichen Steinkreuzen und malerisch bunte Dörfer und Städte ziehen die Reisenden immer wieder an und üben eine große Faszination auf sie aus.

Die achttägige Busreise führte uns von Dublin ins Boynetal, danach nach Westen quer durchs Land in die Grafschaft Kerry, durch die Dingle Halbinsel, über Limerick nach Galway, auf die Aran Insel Inishmore und schließlich wieder zurück ostwärts durch die Midlands nach Dublin (siehe Karte).

Obwohl der Streckenverlauf nur einen Ausschnitt von Irland abdeckt, konnten wir, geführt durch eine äußerst kompetente irische Reiseleiterin, die vielfältigen Facetten des Landes kennen lernen. Es würde den Rahmen eines solchen Berichtes sprengen, wollte man alle Eindrücke und Erlebnisse wiedergeben. Deshalb sollen Schwerpunkte gesetzt werden, die sich auf die einzelnen Tage verteilen:

 

Von Kultstätten, Burgen und Klöstern und das „Book of Kells“

 

 

Sonntag, 18.05.08 
Gleich nach der Ankunft mit Lufthansa um 10.30 Uhr in Dublin ging es mit unserer Reiseleiterin Margaret Brady auf eine Stadtrundfahrt mit Besichtigung der St. Patrick’s Kathedrale und des Trinity Colleges mit seiner berühmten Bibliothek.
 

 

Mehr als jedes andere Gebäude in Irland verkörpert die St. Patrick’s Kathedrale (s. Bild)die Geschichte und das Erbe der irischen Bevölkerung. Der Hl. Patrick soll zum christlichen Glauben Konvertierte in einem Brunnen getauft haben, der sich einmal im Park neben der Kathedrale befand. Im Jahre 1191 erbauten die Normannen hier eine Steinkirche, die im frühen 13. Jh. erneuert wurde – das Gebäude, das wir heute in seiner gotischen Form als Kathedrale sehen. Sie entstand als katholische Kirche, wurde aber im 18. Jh. anglikanisch.

Das Trinity College ist die renommierte Universität in der irischen Hauptstadt, die 1592 von Königin Elisabeth I. für protestantische Studenten gegründet wurde. Allerdings ist heute von den ca. 10 000 Studierenden die Mehrheit katholisch. Berühmte Studenten waren u.a. die Schriftsteller Samuel Beckett und Oscar Wilde. Wir besuchten die 1732 gebaute Alte Bibliothek mit dem imposanten „ Long Room “ (64 m lang), in dem etwa 200 000 der ältesten und wertvollsten Bücher aufbewahrt werden, darunter z.B. auch die erste deutsche Bibel. Eine einzigartige Kostbarkeit aber ist das im 8. Jh. entstandene „Book of Kells“, ein mit irischen Handmalereien verziertes Werk, das die vier Evangelien in lateinischer Sprache beinhaltet. Der Name Kells leitet sich vom Kloster Kells ab, wo möglicherweise die Mönche an dem Buch gearbeitet haben und es vor den Angriffen der Wikinger versteckten. In farbschonendem schwachen Licht ruht es unter Panzerglas. Um einmal das gesamte Buch im Original zu betrachten, müsste man sich schon ca. ein halbes Jahr in Dublin aufhalten, denn von den 340 Seiten wird täglich nur eine gewendet.


Schon ziemlich müde von einem langen, anstrengenden Tag mussten die ersten Eindrücke und  Informationen auch noch „geistig nachhaltig“ verarbeitet werden. Was hätte sich da besser angeboten als die „Old Jameson Whiskeybrennerei“? Nach einem Streifzug durch die Kunst des irischen Whiskeybrennens durften ein paar ausgewählte Experten unserer Gruppe in einer  Whiskeyprobe feststellen: „Jameson is the best“. Er wird heute in der ganzen Welt verkauft, aber seine Wurzeln hat er immer noch  in der kleinen Brennerei in der Bow Street, wo John Jameson das Unternehmen im Jahre 1780  gründete.

 

Montag, 19.05.08 
Nach einem herzlichen Botschaftsempfang mit kleinem Imbiss im herrlichen Garten der Residenz sowie dem Parlamentsbesuch am Vormittag fuhren wir am Nachmittag ins Boynetal und tauchten zum ersten Mal so richtig ein in die reizvolle Landschaft Irlands, in die Geschichte und Kultur des Landes. Der Fluss Boyne ist von historischer, archäologischer und mythischer Bedeutung, passiert er doch u.a. die Stadt Trim, den Hügel von Tara, die berühmten Megalithgräber, die Klöster von Mellifont Abbey und Monasterboice sowie die mittelalterliche Stadt Drogheda, wo er in die Irische See mündet.

Als wir zum „Hill of Tara“ hinaufpilgerten, fühlten wir uns zurückversetzt in die Zeit der Kelten, in der Tara über Jahrhunderte hinweg das Zentrum der keltischen Welt Irlands bildete (ca. 500 v. Chr. bis 300 n. Chr.). Hier wurde Gericht gehalten, hier wurden Feste gefeiert und hier wurden die irischen Hochkönige  gekrönt. Von der einstigen Pracht zeugen heute jedoch nur noch die von Gras bewachsenen Grundrisse und Fundamente der damals wohl stattlichen Bauwerke. Mit dem Einzug des Christentums in Irland verlor auch der Hill of Tara an Bedeutung. Die Legende erzählt, dass der Hl. Patrick, der in einer Marmorstatue verewigt ist, sofort nach seiner Ankunft in Irland nach Tara gewandert sei, um den stärksten Ort des heidnischen Glaubens mit dem Christentum zu konfrontieren. Nach einigen Erinnerungsfotos am Krönungsstein verließen wir Tara, den „Ort der schönen Aussicht“.

Höchst interessant und lehrreich war eine Führung durch Mellifont Abbey. Es war das erste Zisterzienserkloster Irlands, das 1142 vom Hl. Malachy, einem gefeierten Reformer und Freund des Hl. Bernard (Gründer des Mönchsklosters von Clairvaux in Frankreich), mit einer Gruppe französischer und irischer Mönche auf dem Land gegründet wurde. Die Zisterzienser hatten sich im späten 11. Jh. vom Benediktinerorden in Frankreich abgespaltet, um ein enthaltsames Leben in der Gemeinschaft fernab der Städte zu führen, bestehend aus Gebeten und handwerklicher Arbeit. Ein ungewöhnlicher Bau der Abtei ist das achteckige Lavabo, das auf etwa 1200 datiert wird. Das Kloster wurde ganz im Stil der nordfranzösischen Gotik erbaut, was damals noch völlig untypisch für Irland war. Obwohl Mellifont Abbey heute größtenteils eine Ruine ist und nur wenig von der einstmaligen Abtei übrig blieb, kommen pro Jahr rund 25 000 Besucher.

 

Noch nicht müde von so viel in Stein gehauener irischer Vergangenheit besuchten wir abschließend Monasterboice, bevor wir zurück nach Dublin fuhren. Monasterboice, heute ebenfalls eine Klosterruine, wurde schon 1097 nach einem Brand aufgegeben, aber der Friedhof wird, wie in Irland üblich, noch heute benutzt. Bekannt ist die Anlage für ihren 35 m hohen Rundturm und die drei Sandstein-hochkreuze aus dem 9. Jh. Das große Kreuz oder Westkreuz ist mit 6,5 m Höhe das größte in Irland. Wegen seiner Größe sind viele Bilder eingemeißelt, so u.a. auf der Ostseite: die Taufe Jesu, Christus im Grab, David mit dem Kopf Goliaths, Moses schlägt Wasser aus einem Felsen, Pilatus wäscht seine Hände, Samson stürzt die Säulen des Tempels, Versuchung des Hl. Antonius und Samuel salbt David; einmalig ist auch die Darstellung der Kreuzigung Jesu.

 

Dienstag, 20.05.08 
Nach dem Frühstück und Auschecken im „Canal Hotel“ in Dublin starteten wir fast pünktlich in Richtung Südwesten. Ziel war Tralee im County Kerry an der Westküste (ca. 300 km). Bevor wir die kirchen- und kunsthistorische Sehenswürdigkeit „Rock of Cashel“ erreichten, genossen wir in einer originellen irischen Pub noch einen echten Irish Coffee.

 

 

 

 

Bei der Anfahrt auf den kleinen Ort Cashel erblickt man schon von Weitem den knapp 70 m hohen „Rock of Cashel“, der auch oft wegen seiner Erhabenheit die Akropolis von Irland genannt wird. Der Kalkfelsen mit seiner mittelalterlichen Burganlage verkörpert ein einzigartiges Monument irischer Geschichte. Bereits in vorchristlicher Zeit war die Gegend um den riesigen Felsen, inmitten einer sonst flachen Ebene, bewohnt. Cashel war vom 4. Jh. an Sitz der Könige von Munster und ging 1100 in kirchlichen Besitz über. Schon im 5. Jh. erhob der Hl. Patrick Cashel zum Bischofssitz.  

 

Cormac’s Chapel, eine im 12. Jh. entstandene romanische Kirche mit Steindach, war eine der schönsten Kirchen der Insel. Außerdem konnten wir die Überreste einer großen gotischen Kathedrale aus dem 13. Jh., das St. Patrick’s Kreuz und einen fast 30 m hohen Rundturm bewundern. Bemerkenswert sind auch die vielen Stuckarbeiten in den Türbögen.

Nach einem kleinen Mittagessen und Stadtbummel im Touristenstädtchen Cashel fuhren wir weiter nach Cahir. Und siehe da! … schon wieder eine bemerkenswerte Burg: Cahir Castle. Sie ist eine der größten und besterhaltenen mittelalterlichen Burgen von Irland, die auf einer Felseninsel inmitten des Flusses Suir liegt. Auch hier erhielten wir eine ortskundige Führung, und wer noch nicht genug hatte, der konnte sich zusätzlich eine audiovisuelle Show zu Gemüte führen. Das heutige Erscheinungsbild der Burg ist normannisch und geht bis ins 13. und 15. Jh. zurück. Ein mächtiger Burgfried mit Turm und sogar eines der wenigen noch funktionierenden Fallgitter zeichnen diese Festung aus.

Gegen Abend erreichten wir schließlich über Limerick unser Ziel Tralee, wo wir das Brandon Hotel bezogen, unser Abendessen einnahmen - natürlich mit Kartoffelbrei - und nach einem oder auch mehreren Guinness von Burgen und Rittern träumen durften.

 

 

Natur pur, die Rose von Tralee und immer  wieder Kartoffelbrei 

 

Mittwoch, 21.05.08
Der „Ring of Kerry“ in Irland ist eine der schönsten Panoramastraßen der Welt, auf der man in etwa 175 km Länge die gesamte Iveragh-Halbinsel umfahren kann. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz, dass Busse den Ring entgegen dem Uhrzeigersinn befahren, natürlich immer schön links auf der engen Küstenstraße. Leider hatten wir einen typischen irischen Regentag erwischt, der durchdrungen von Nebel uns so manchen Durchblick verwehrte. Das hielt aber die Fotografen in unserer Reisegruppe nicht davon ab, bei jeder sich bietenden Gelegenheit die „atemberaubenden Ausblickeaufs Meer digital festzuhalten: die zerklüfteten Felsformationen und vorgelagerten Inseln, die grünen Berghänge mit Heidelandschaften, Binsen und Farnen, auf denen unzählige Schafe in von Hecken und Steinen abgegrenzten Arealen grasten, die stillen Bergseen und Moorlandschaften, die sog. blogs. Gut, vieles war in Nebel verhüllt, aber dafür entschädigte der Anblick von seltenen Blumen mitten in einer unberührten Natur, z. B. von weiß blühenden Callas. Hubert Scherer, ständig auf der Jagd nach außergewöhnlichen Motiven, kann Euch bestimmt auf Wunsch viele „Blumen senden“. Der warme Golfstrom lässt in dieser Region schon fast tropische Vegetationen gedeihen: Ausgedehnte Büsche aus Fuchsien säumen die Straßen und Wege, Palmen und Bambus wachsen in den Gärten, nicht zu vergessen die gerade prachtvoll blühenden Rhododendren. Natürlich, es fing schon wieder an zu regnen und Nebel bedeckte auch Valentia Island, von wo 1858 das erste Transatlantikkabel nach Übersee verlegt wurde. Oder hat jemand von  Waterville aus die Skellig Islands gesehen, zumindest Skellig Michael, deren zwei Gipfel über 200 m steil aus dem Wasser ragen? Auch „Ladies View“ (Hier ist Königin Victoria gewesen!) im Killarney National Park verwehrte uns an diesem Tag die Sicht auf den Upper Lake im Seengebiet. Aber ein erfahrener Tourist kauft sich ohnehin einen guten Bildband, um den Daheimgebliebenen auch alles zu zeigen, wo wir überall waren und was wir dabei Spektakuläres sehen konnten.

Blieb schließlich noch Muckross House! Und obwohl wir auch hier den herrlichen Park mit seinem Wassergarten (!) mit dem Regenschirm durchqueren mussten, kamen alle Hobby-Botaniker voll auf ihre Kosten. Faszinierend wieder die auch im Regen bunt leuchtenden, überdimensionalen Rhododendrenbüsche und Hortensien, die südländischen Pflanzen und seltenen Bäume.

                    

Unsere Busfahrt war nie langweilig, weil auch Margaret sich viel Mühe gab, uns die Eigenart und den besonderen Charakter Irlands näherzubringen. So stellte sie z. B. die Leidenschaft und Gastfreundlichkeit der Bewohner von Kerry heraus, ihre Tüchtigkeit und ihren eigenen Humor und Witz. Ein Beispiel dafür ist wohl der Brief einer Mutter an ihren nach Amerika ausgewanderten Sohn.   (siehe Anlage)

Auf der Rückfahrt machten wir in Sneem, einem kleinen niedlichen Dorf, noch einmal Halt. Der Cappucino oder Irish Coffee schmeckten und nach einem Blick von der Brücke über den Sneem River in die rauschende Schlucht ging es weiter „links herum“ nach Tralee. Ach ja, bei Tralee fällt uns doch noch was ein: „The Rose of Tralee“, ein irischer Folk Song, der uns während der Fahrt immer wieder unter die Haut ging und uns träumen ließ. Hoffentlich hat auch meine Molly Malone in „Dublin’s Fair City“ zu dieser Stimmung beigetragen.

Zusammenfassend darf ich festhalten, dass jeder den Ring of Kerry bei schönem Wetter genießen kann, zusammen mit Massen von Touristen. Unsere Rundfahrt jedoch hatte  etwas ganz Besonderes.

 

 

Donnerstag, 22.05.08 
Die Dingle Halbinsel ist die nördlichste der fünf Finger im Westen Irlands und bekannt für ihre farbenfroh gestrichenen Dörfer und ihre urige Natur. Nach unserem Regentag hatte sich das Wetter wieder normalisiert - Wolken, Schauer, Sonne und wieder Wolken - einfach „changing“, so wie man es von Großbritannien her gewöhnt ist.

 

Wir fuhren von Tralee westlich nach Dingle. Abgesehen von Reykjavik auf Island ist es die westlichste Stadt Europas mit dem größten Fischereihafen Irlands. Nach einem Bummel durch das malerische Städtchen und dem Genuss von „Fish & Chips“ in einem Strandrestaurant oder dem besten Eis auf der Insel ging es weiter nach Slea Head mit schönem Blick auf die steile Felsenküste und die Blasket Islands im Atlantik. Weiter nordöstlich kamen wir zum Gallarus Oratory, einem Gebetshaus, das bereits im frühen Mittelalter um das 6. Jh. oder auch erst um das 12. Jh. herum gebaut worden sein könnte.
Das einsame und in rauer Landschaft gelegene kleine Bauwerk, dessen Mauerwerk einschließlich Dach aus unbehauenen Steinen trocken aufgeschichtet ist, hat die Form eines umgekehrten Bootes. Nur eine schmale Tür und ein winziges Fenster tauchen den Innenraum in trübes Licht. Um zu beten muss man keinen Eintritt entrichten, ganz im Gegensatz zu den ähnlich wirkenden bienenkorbartigen Steinhütten, wo „einmal schauen“ immerhin zwei Euro kostete.
   

 

Nach einem schmackhaften Abendessen mit ausgezeichnetem Lachs und dem üblichen „Krombansbroi wie aus Omas Köche daham“ (in Frammersbach) im Brandon Hotel in Tralee wartete ein weiterer kultureller Höhepunkt auf die nimmermüden Arbeitskreistouristen:

 

 „Clann Lir – The Story of the Children of Lir“ mit dem National Folk Theatre of Ireland. Frei übersetzt aus dem „event guide“ heißt es da: Clann Lir, eine zeitlose Erzählung von Gut und Böse, ist eine Geschichte so alt wie Irland selbst. Nach einer Legende werden die vier Kinder von König Lir von ihrer bösen Stiefmutter in Schwäne verwandelt, und zwar für 900 Jahre, wobei sie ihre wundervollen Singstimmen behalten dürfen. Das Spitzenballett in Verbindung mit den wohlklingenden Stimmen in gälischer Sprache hat das Publikum begeistert. War das nicht etwas für Herz und Seele?

 

 Freitag, 23.05.08 
Jetzt ging die Fahrt wieder zurück über Limerick nach Norden mit dem Ziel Galway. Unweit von Limerick waren wir im Bunratty Castel willkommen, zwar nicht zu einem der berühmt-berüchtigten mittelalterlichen Bankette, aber dafür durften wir die 1425 erbaute Burg des Grafen von Thomond mit allen Räumlichkeiten besichtigen und vor dem Haupteingang unser obligatorisches Gruppenfoto machen. Ein nostalgisches Flair vermitteln traditionelle irische Bauern- und Stadthäuser, Schule, Post, Tante-Emma- Laden und Arzthaus, etc., die um die Burg herum errichtet worden sind. Alte irische Handwerke werden vorgestellt und in der Kornscheune oder in J.J. Corry‘s Pub konnte man gut essen und trinken.

 

 

Auf Vorschlag von Gustl Scherer, der schon 1991 an der ersten Irlandreise des Arbeitskreises teilnahm, machten wir einen kleinen Umweg zu den Cliffs of Moher. Wenn man diese 8 km lange Steilküste mit  ihren senkrecht abfallenden Felswänden aus Sandstein und Schiefer erblickt, den Wellen des Meeres, die sich in etwa 200 m Tiefe an den Felsen brechen und schäumen, zuschaut, kommt man sich doch recht „klein“ vor und die Ehrfurcht vor der Natur wächst. Trotzdem war unsere Befürchtung ständig, dass es einigen „Lebensmüden“, am äußersten Rand der Klippen fotografierend, ähnlich ergehen könnte wie den unzähligen Seevögeln, die sich ins Meer hinabstürzten; nur können die halt fliegen. .

 

 

Ebenso beeindruckend wie die Cliffs ist die sich nordwestlich anschließende Landschaft der Burren (steiniger Ort), eine einzigartig ca. 300 km² große Karstlandschaft, bestehend aus Felsplateaus, die durch sog. knietiefe Karren in rechteckige Felder gegliedert sind. Sie wirken auf den ersten Blick so kahl, dass Cromwells General Ludlow im 17. Jh. gesagt haben soll, die Gegend biete „weder genug Wasser, um einen Mann zu ertränken, noch einen Baum, um ihn zu erhängen, oder genug Erde, um ihn zu begraben“. Das sagt zwar viel über die Mentalität der Cromwellschen Truppen aus, gibt aber einen falschen Eindruck, denn in dieser botanisch interessanten Landschaft gedeihen etwa 1100 der 1400 in Irland vertretenen Pflanzenarten. Es ist der einzige Ort in Europa, in dem zugleich mediterrane und arktische Pflanzen wachsen.

Der Burren ist eine bizarre Wanderlandschaft und ein  archäologisch reiches Areal. Man findet Klosterruinen und v.a. eine Vielzahl von Höhlen und „heiligen“ Quellen.  Relativ spät erreichten wir an diesem Tag Galway, wo wir unser letztes Hotel, die Oranmore Lodge, im irischen Landhausstil erbaut, bezogen.

 

Baby an Bord und Abschied 

 

Samstag, 24.05.08 
Bei schönstem Wetter setzten wir mit der Fähre von Rossaveel nach Kilronan auf Inishmore, der größten der Aran Inseln, über. Wir hatten Zuwachs bekommen: Seitz-Tochter mit Baby - eine große Freude für  Oma und Opa, die ihr „irisches Enkelkind“ über Wasser und Land schaukeln durften. Die Insel - nur  13 km lang und nirgends breiter als 3 km -  erkundeten wir  mit kleinen Bussen über enge Landstraßen. Typisch für die Aran Inseln sind die in Bögen und Mäandern scheinbar völlig regellos verlaufenden Trockenmauern, die Felder und Weiden mit zahlreichen Schafen umschließen. Die Landschaft scheint nur aus Stein mit kleinen grünen Flecken zu bestehen. Unterwegs besuchten wir noch eine Kirche mit Friedhof und gelangten schließlich nach  Kilmurvy, weiter zu einem Besucherzentrum, von wo aus wir zu Fuß auf Dun Aengus gelangten, eine massive Steinfestung auf Klippen, die über 100 m tief direkt ins Meer im Süden abfallen. Zum Land hinbilden drei hintereinander liegende, bis zu 5 m hohe Wälle eine eindrucksvolle, halbkreisförmige Anlage, die wiederum durch chaotische Steinschutzwälle vor Angreifern gesichert ist. Wer es eigentlich war, der diese Festung erbaute, ist ebenso umstritten wie ihre Entstehungszeit: die Hypothesen reichen von 500 v. Chr. bis ins 8. Jh. n. Chr.

                   

 

<----Steinschutzwälle um Dun Aengus                                                 

 

 

 

 

                                                                                          Junge Iren musizieren für ein Trinkgeld  -------->

 

 

 

 

 

Am Abend saßen alle Irlandfahrer noch einmal in froher Runde zusammen. Die Vorstandschaft war zufrieden, die Teilnehmer ebenso. Deshalb zum Abschluss ein irisches Slainte (Prost) mit Guinness und Whiskey auf eine schöne und erfolgreiche Reise. 

 

 

Sonntag, 25.05.08 
Am letzten Tag unserer erlebnisreichen Rundreise durchquerten wir ein zweites Mal - diesmal in W-O Richtung - die „grüne Insel“ von Galway durch die hügelige Graslandschaft der Midlands über Athlone am Shannon-Fluss nach Dublin (ca. 200 km). Um 17.50 Uhr flogen wir dann mit Lufthansa zurück nach Frankfurt und von dort mit dem Bus wieder in die Heimat nach Lohr a. Main.

 

 

 

Fazit

„Das Irland des Arbeitskreises Burg Rothenfels war eine Reise wert.“ Es waren acht spannende Tage, in denen wir viel gesehen und gehört haben. Ich hatte die Aufgabe, zwei Berichte zu schreiben: einen politischen und einen touristischen. Es ist mir nicht schwer gefallen, denn so konnte ich mich noch einmal gründlich mit Irland beschäftigen. Ich hoffe nur, dass auch meine Mitreisenden etwas davon haben und andere Leser neugierig werden auf das aufregende Land im Nordwesten Europas - mit seiner einzigartigen Landschaft und Kultur sowie seinen gastfreundlichen Bewohnern. Mein Dank gilt dem Vorstand des Arbeitskreises, Herrn Johansen vom Reisebüro Panter und natürlich unserer engagierten Reiseleiterin Margaret Brady sowie all den anderen, die zum Gelingen der Reise beigetragen haben.

Als England- und Irlandfan möchte ich mit einem Limerick schließen: Es ist ein kurzes, in aller Regel scherzhaftes Gedicht in fünf Zeilen mit dem Reimschema   a a b b a :

 

Nach Irland reisten vierzig Franken,

nicht nur um Guinness und Whiskey zu tanken,

sondern zu erkunden Land und Leute, Wirtschaft und Politik,

dabei manchmal half sogar der Heilige Patrick,

dem wir Franken sowieso viel verdanken.

 

Robert Engelhardt                                  

 

 

Anlage  (Übersetzung von „ A Mother’s Letter “ / Brief einer Mutter)

 

Mein lieber Sohn,

nur kurz ein paar Zeilen, damit du weißt, dass ich noch lebe. Ich schreibe langsam, weil ich auch weiß, dass du nicht so schnell lesen kannst. Wenn du wieder einmal heimkommst, wirst du unser Haus nicht mehr erkennen, wir sind nämlich umgezogen.

 Zu deinem Vater. Er hat einen schönen, neuen Job. 600 Leute hat er unter sich, denn er mäht jetzt das Gras auf dem Friedhof.  Deine Schwester Mary hat heute Morgen ein Baby bekommen. Ich weiß noch nicht, ob es ein Junge oder ein Mädchen ist, so weiß ich auch nicht, ob du Tante oder Onkel geworden bist.

Am Montag ging ich zusammen mit deinem Vater zum Arzt. Er führte mir einen Schlauch in den Mund und bat mich, doch fünf Minuten lang nichts zu reden. Dein Vater wollte ihm den Schlauch abkaufen.

Leider ist dein Onkel Patrick letzte Woche in einem Bottich voll mit irischem Whiskey in der Jameson Whiskeybrennerei ertrunken. Einige seiner Arbeitskollegen versuchten noch, ihn zu retten. Aber er wehrte sie tapfer ab.Seine Leiche wurde eingeäschert und es dauerte vier Tage, um das Feuer wieder zu löschen.

In dieser Woche regnete es hier nur zweimal, zuerst drei Tage lang und dann vier Tage lang. Außerdem  bekamen wir einen Brief vom Leichenbestatter. Er teilte uns mit, wenn wir die letzte Rate für Großmutters Grab nicht innerhalb einer Woche bezahlen würden, dann käme sie wieder nach oben - heraus aus dem Grab.

In Liebe deine Mutter

PS: Eigentlich wollte ich dir noch 5 Euro schicken, aber jetzt habe Ich den Brief auch schon zugeklebt.