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Im deutsch – französischen Jahr wieder auf Frankreichtour

 

Zweiundvierzig Mitglieder des Arbeitskreises auf Burg Rothenfels unternahmen vom 22. bis 29. September 2013 eine Informationsreise nach Frankreich. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV fuhr man von Frankfurt nach Paris, checkte im „schwimmenden Hotel“ der „Viking Spirit“ ein, um auf der Seine aufwärts bis zur Küste der Normandie zu gelangen.

 

Anlass für die Reise des Arbeitskreises war u.a. auch das 50-jährige Jubiläum des sog. Elysee-Vertrages, des Freundschaftsvertrages über die deutsch-französische Zusammenarbeit. Man erinnerte sich dabei an die ersten politischen Aktivitäten des Arbeitskreises in den Jahren 1955 und 1966 in Frankreich, als man schon sehr früh besonders durch Jugendbegegnungen beider Länder die europäische Einigung und Völkerverständigung förderte.

 

Empfang in der Deutschen Botschaft in Paris am Montag nach der Bundestagswahl

 

 

Natürlich war auch das Wahlergebnis zum Deutschen Bundestag ein brandaktuelles Thema beim Besuch in einer der größten Auslandsvertretungen der Bundesrepublik Deutschland, wo man von Matthias Schuhmacher, 1. Sekretär der Botschaft und Referent in der Politischen Abteilung, empfangen wurde.

 

 

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„Angela Merkel, chanceliere d’Allemagne, chef de l’Europe“, so titelte Le Monde am Dienstag nach der Wahl. Der französiche PräsidentFrancois Hollande gratulierte noch am Wahlabend der Bundeskanzlerin zu ihrem Wahlerfolg und brachte seine Hoffnung zum Ausdruck, auf der Grundlage der französisch-deutschen Verständigung die europäischen Herausforderungen zu meistern.

 

Der Botschaftsvertreter beschrieb die deutsch-französischen Beziehungen als pragmatisch, denn „einer braucht den anderen“, wobei man ebenso voneinander lernen kann. Dies trifft auch besonders auf die Bildung zu, bei der es im europäischen Rahmen z.B. um die Vergleichbarkeit und Anerkennung von Abschlüssen geht. Ein gravierendes Anliegen ist die Jugendarbeitslosigkeit, die in Frankreich immerhin auch ca. 25 % erreicht. Der Trend zum Universitätsstudium sei ungebrochen und der Mangel an dualen Ausbildungsgängen meist eine der Ursachen für die Perspektivlosigkeit junger Menschen. Die französischen Betriebe beteiligen sich auch finanziell zu wenig an einer qualifizierten Berufsausbildung - ganz im Gegensatz zum deutschen dualen System der beruflichen Bildung. 

 

 

Auch wenn die Lösungsansätze beider Länder unterschiedlich sind, seien grundlegende sozial- und arbeitsmarktpolitische Reformen ähnlich wie in Deutschland notwendig, um die französische Industrieproduktion zu steigern und effektiver zu gestalten und somit die Arbeitslosigkeit (z.Zt.11% offiziell) im Land zu verringern, so Schuhmacher. Auch Frankreich sei auf Export in EU-Länder angewiesen, wobei umgekehrt Frankreich für Deutschland den größten europäischen Absatzmarkt darstellt.

 

Das große Interesse an der gesellschaftspolitischen Entwicklung Frankreichs, seiner politischen und wirtschaftlichen Situation und Stellung in der Europäischen Union brachten die deutschen Besucher durch zahlreiche weitere Fragen zum Ausdruck, die der Botschaftssekretär fundiert und sachlich beantwortete: Es ging um den Euro, die Beherrschung der Schulden in Europa durch diverse Rettungsschirme mit ge-meinsamen Lösungen. Große Sorgen bereiten Frankreich die sog. „Migrationsviertel“ z.B. in den Vorstädten von Paris und Marseille, wo es immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen kommt. Da schlägt dann die Stunde der rechtspopulistischen Front National (FN), die mit einfachen Rezepten versucht, Anhänger zu gewinnen. Überhaupt herrsche in Frankreich eine andere Streikkultur zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften, wie sich oft in spontanen und lautstarken Demonstrationen zeigt.

 

Große Beachtung hat der Staatsbesuch des deutschen Bundespräsidenten Anfang September in Frankreich gefunden: Joachim Gauck habe die Herzen der Franzosen gewonnen – beim Staatsbankett in Paris, am Ort des Schreckens in Oradour und zuletzt in der Kulturhauptstadt Marseille. „Er verkörpert die Würde des heutigen Deutschlands“, sagte Präsident Hollande. In Marseille traf der Bundespräsident 200 Jugendliche, die alle bereits an einem deutsch-französischen Austauschprogramm teilgenommen hatten, führt Schuhmacher weiter aus. Er bedauerte in diesem Zusam-menhang, dass immer weniger Franzosen Deutsch und immer weniger Deutsche Französisch lernen.

 

Insgesamt haben sich aber die deutsch-französischen Partnerschaften zwischen Schulen, Vereinen und Gemeinden positiv entwickelt, was ja bekanntlich auch für den Landkreis Main-Spessart zutrifft.

 

Der Botschaftsbesuch endete mit einem gemeinsamen Gruppenfoto im Garten der Auslandsvertretung der Bundesrepublik Deutschland.

 

 

 

Geschichte - Kultur - Kunst - französische Lebensart

 

Ausgangs- und Endpunkt der Schifffahrt war Paris, wo man natürlich das übliche touristische Programm absolvierte. Die Flusskreuzfahrt auf der Seine, die sich schlangenähnlich quer durch die Landschaft bis zur Küste der Normandie ihr Bett gebahnt hat, brachte den deutschen Gästen nicht nur die fruchtbare und reizvolle Landschaft näher, sondern man erfuhr auch viel Neues über die wechselvolle Geschichte Frankreichs, besichtigte z.B. die eindrucksvolle Kathedrale Notre Dame in Rouen und konnte auf dem Place du Vieux-Marche das Schicksal von Jeanne d’Arc (Johanna von Orleans) eindrucksvoll nachvollziehen. Ein kultureller Höhepunkt war der Rundgang durch Monets Garten in Giverny mit dem berühmten Seerosenteich und der japanischen Brücke. Im Wohnhaus und Atelier fühlte man sich bei Betrachtung der Werke von Claude Monet (1840 -1926) zurückversetzt in die Zeit des Impressionismus.

 

Für Herbert Brehm persönlich, Vorsitzender des Arbeitskreises auf Burg Rothenfels, schloss sich mit dieser Frankreichreise der Kreis der deutsch-französischen Kontakte, denn hatte nicht schon sein Vater, wie eingangs erwähnt, als erster Geschäftsführer des politischen Arbeitskreises 1955, also 10 Jahre nach Kriegsende, die Basis für eine Aussöhnung der beiden Länder im lokalen Rahmen gelegt. Heute nehmen wir vieles als selbstverständlich hin, z.B. die gemeinsame Währung oder das „Europa ohne Grenzen“ und was uns am wertvollsten sein sollte: ein vereintes Europa ohne Kriege seit nunmehr 68 Jahren.

 

Robert Engelhardt

 

 

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