70 Jahre Arbeitskreis auf Burg Rothenfels e.V.

 

Der Vorstand hat mich gebeten, über 70 Jahre Arbeitskreis -       seit seiner Gründung am 19.10.1049 bis heute – zurückzublicken.

 

Es wäre ein abendfüllendes Programm – aber ich will mich auf 20 Minuten beschränken - und dabei die verschiedenen Phasen im Arbeitsprogramm des Arbeitskreises beleuchten:

 

Gründung des Arbeitskreises am 19.10.1949

Seminare in Hammelburg und Burg Rothenfels

Deutsch-französischer Jugendaustausch

Besuche in Landtagen, Bundestagen und NATO in Brüssel  u.UNO in USA 

Internationale Begegnungen im In- und Ausland

Zusammenarbeit mit Handwerkskammer Unterfranken und Freunde der Meisterschulen

Freundschaft mit Burgeis in Südtirol

Vortragsveranstaltungen mit der Sparkasse Mainfranken

Betriebsbesichtigungen

Jubiläumsfeiern und Familienabende 

 

Soweit die grobe Übersicht – doch da ich den Arbeitskreis seit 1956 begleite - kann ich auf viele persönliche Erlebnisse eingehen.

 

 Die Idee zur Gründung des Arbeitskreises entsprang der Liebe und Sorge um unser Vaterland.

 

Seit dem 23. Mai 1949 hatten wir das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und am 14 August 1949 hatten wir den neuen Bundestag gewählt. Nun kam es darauf an, deren Grundwerte zu verankern, um demokratisches Bewusstsein und Handeln als staatstragendes Selbstverständnis zu entwickeln. Um der Demokratie eine breite Basis in den Bürgerinnen und Bürgern zu schaffen, setzten sich Frau Dr, Maria Probst, die neu gewählte Abgeordnete des Bundestages unseres Wahlkreises und gleichgesinnte Freunde das Ziel, eine überparteiliche und

überkonfessionelle Bildungseinrichtung zu gründen. Sie folgten damit der Bestimmung des Grundgesetzes.

 

„Die politischen Parteien wirken bei der politischen Willensbildung des Volkes mit".

 

Da damals wie heute nur ein kleiner Teil der wahlberechtigten Bevölkerung Mitglieder der politischen Parteien sind, war die Idee von fundamentaler Bedeutung.

 

Die Gründungsversammlung für den Arbeitskreis fand am 19.Oktober 1949 im Landesentlassungs- und Durchgangslager Hammelburg statt. 

 

Wer weiß heute noch, dass dieses für 56.000 kriegsgefangene deutsche Soldaten die letzte Station vor Rückkehr in die Heimat und für 220.000 deutsche Vertriebene die erste Station auf dem Weg zu einer sicheren Bleibe war ?

 

Der Auftrag an den Arbeitskreis lautete:

 

Heranbildung sachlich denkender, sachkundiger und verantwortungsbewusster Menschen, die bereit und fähig sind, an der Neuordnung der Gesellschaft und Wirtschaft mitzuwirken.

 

Der Wahlspruch war „Gerechtigkeit schafft Frieden“.

 

Der 1. Vorstand war Landrat Adam Kaiser, Hammelburg

stellvertr. Vorsitzender August Bender, Marktheidenfeld

Geschäftsführer Albin Brehm, Lohr

Kassier Walter Fetzer, Lohr

Lehrgangsleiter Erich Ziegler, Lohr

 

 In Hammelburg fanden die ersten größeren Veranstaltungen statt. So die Organisation der Weihnachtsfeiern für Flüchtlinge im Lager Hammelburg mit über 300 Teilnehmern. Besonders beeindruckend waren dabei damals das Abbrennen der Mahnfeuer an der Zonengrenze am 1. Juni 1956.

Über Jahre wurden dann mehrtägige Seminare mit hochkarätigen Referenten im Clubhaus der Bundeswehr in Hammelburg und auf der Burg Rothenfels abgehalten.

An diesen Bildungslehrgängen und Tagungen nahmen nach Zeitungsberichten ca. 190.000 Teilnehmer teil. Die Presse schrieb danach „Der Arbeitskreis hat hervorragend am Aufbau des Staates“ mitgewirkt.

Durch die vielen mehrtägigen Lehrgänge auf der Burg gab sich der Arbeitskreis den Namen „Arbeitskreis auf Burg Rothenfels e.V“ mit Sitz in Lohr a. Main, da mein Vater die Geschäftsführung und die Organisation inne hatte, bis er 1991 verstarb.

Ich erinnere mich noch genau, dass ich bei vielen Vorträgen in den einzelnen Gemeinden des Altlandkreises Lohr, Gemünden, Karlstadt und Marktheidenfeld, sowie Hammelburg, Filme - ausgeliehen vom Arbeitskreis in Würzburg, über den Aufbau der Demokratie vorführen durfte.

 

Einen neuen Weg beschritt der Arbeitskreis mit dem Jugendaustausch. Mitte der 60ziger Jahre fuhren wir über Jahre mit vielen Gruppen nach. St. Maxime in Südfrankreich. Es waren immer 3-wöchige Begegnungen mit jungen Menschen, gefördert vom deutsch-französischen Jugendwerk.

 

Um die Arbeit unserer Abgeordneten besser verstehen zu können, haben wir sie im Bayer. Landtag, im Bundestag in Bonn und Berlin besucht.Viele Mehrtagesreisen führten uns auch ins Europäische Parlament nach Brüssel, Luxemburg, Straßburg und zur UNO nach New York.

 

Aufbauend auf diese Reisen und den Europagedanken weiter zu vertiefen, haben wir nach der begonnenen Freundschaft mit Burgeis in Südtirol – Internationale Begegnungen – in Südtirol, Beilngries und Wien organisiert.

Hochkarätige Referenten – wie Silvio Magnago, Landesrätin Frau Sozialministerin Gebert-Deeg und Staatssekretäre Rosenbauer und Neubauer diskutierten mit uns Probleme über Italien und Europa.

Um Europa dann im Rahmen der Völkerverständigung noch näher kennen zu lernen, entschlossen wir uns Bus- und Flugreisen zu unternehmen.

Durch die Vermittlung unserer Abgeordneten Biehle, Zöller, Hofmann und Sinner gelang es uns immer 'Deutsche Botschaften' in den einzelnen Ländern zu besuchen. Zwischenzeitlich sind es ca. 30 Botschaften geworden, zuletzt Island.

Alle waren sehr informativ, aber besonders sind bei mir noch Israel, China und Mongolei und Kiew in Erinnerung.

      

 

Über 30 Jahre ab 1980 hatten wir zur Handwerkskammer für Unterfranken eine besondere Verbindung. Mehrtägige Veranstaltungen zur Gesellenschulung und Tagungen für Arbeitnehmer haben wir finanziell und mit Rednern unterstützt. Die Weiterbildung der Gesellen war uns ein großes Anliegen.

Mit den Präsidenten Schrepfer, Fuchs, Neubauer und jetzt Heußlein wurden viele gemeinsame Themen festgelegt.

So unterstützten wir auch die Freunde der Meisterschulen für Bauhandwerker und Straßenbauer in Würzburg.

Über den Vorsitzenden und späteren Ehrenvorsitzenden , Herrn Göpfert, verband uns eine lange Freundschaft zum Berufsbildungszentrum der Josef-Greising-Schule.

Eine besondere Freundschaft entwickelte sich zwischen dem Arbeitskreis und der Gemeinde Burgeis in Südtirol. Dies ging über das Thema Völkerverständigung hinaus.

Begonnen hat es 1969 in Burgeis bei einem Besuch des Kreistages Lohr bei einem Konzert. Über den dortigen Lehrer und Kapellmeister Eduard Platzer und Bürgermeister Sepp Peer zu meinem Vater Albin Brehm und Bürgermeister Gerd Graf fanden sich Gleichgesinnte.

In über 30 offiziellen und inoffiziellen Treffen wurde die Freundschaft so vertieft, dass eine Patenschaft zwischen Lohr und Burgeis entstand und der Arbeitskreis war der Urheber.

Anlässlich der 45-jährigen Patenschaft zwischen Lohr und Burgeis durfte ich in der Festveranstaltung in Lohr mit Bildern diese Freundschaft aus der Sicht des Arbeitskreises dokumentieren.

Leider sind unsere drei Mitglieder aus Burgeis zwischenzeitlich verstorben, aber viele Mitglieder des Arbeitskreises zieht es jährlich in die Berggemeinde nach Südtirol.

 

Einen neuen Gedanken von unserem früheren Vorstandsmitglied Gustl Scherer nahmen wir 1988 auf, eine jährliche Vortragsveranstaltung mit der Sparkasse Lohr damals. Mit ausgewählten Referenten wurde diese Abendveranstaltung zwischenzeitlich ein „Event“ mit bis zu 600 Teilnehmern.

Die Vielseitigkeit der Themen begeistert die Zuhörer.

Aufgebaut war diese Großveranstaltung auf unsere jährliche Vortragsreihe seit 1980 im kleineren Rahmen mit teilweise Rednern aus den eigenen Reihen.

 

Ein großes Anliegen für unsere Mitglieder war, die heimische Wirtschaft und ihre Unternehmen kennen zu lernen - die Sorgen

und Nöte und die Weiterentwicklung. So haben wir seit 1980 viele Betriebe und auch Behörden mit unseren Mitgliedern besucht.

 

Mit den jährlichen Familienabenden und Jubiläumsfeiern wollten wir unsere jährlichen Aktivitäten Revue passieren lassen und unseren familiären Zusammenhalt dokumentieren. Gerne erinnere ich mich an die gefeierten Jubiläen im Festsaal des Bezirkskrankenhauses, der Rexroth-Kantine und dann in der Stadthalle Lohr unter anderem mit der Burgeiser Musikkapelle.

 

Zusammenfassung:

 

Alle Aktivitäten über den Arbeitskreis konnte ich nicht aufführen. Es sollte die Vielseitigkeit des Arbeitskreises aufzeigen.Wir alle sollten Multiplikatoren unserer Idee sein.

 

Weiterhin sollten wir treu zum Arbeitskreis stehen und darüber hinaus in großer Freundschaft verbunden bleiben.

So wird der Arbeitskreis wohl einmalig sein und hoffentlich bleiben und unsere neue und evtl. alte Vorstandschaft im nächsten Jahr den Arbeitskreis weiter führen, gemäß dem Motto unserer Gründungsväter

„Gerechtigkeit schafft Frieden".

 

 

Daten und Termine können im Internet unter www.ak-burgrothenfels.de nachgelesen werden.

 

 

 

Herbert Brehm, Ehrenvorsitzenden des Arbeitskreises auf Burg Rothenfels e.V.