Warum Flugzeuge abstürzen

Dr. Berhard Saneke, Zahnarzt und Pilot, über "menschliches Versagen"saneke2

 


LOHR Hauptunfallursache bei der kommerziellen Jetfliegerei ist laut den offiziellen Statistiken „Menschliches Versagen“ — ein „brutales, aber ehrliches Wort“, erklärte Dr. Bernhard Saneke, Referent einer Gemeinschaftsveranstaltung der Sparkasse Mainfranken mit dem Arbeitskreis auf Burg Rothenfels. Sein Thema: „Warum Flugzeuge abstürzen und Unternehmen versagen“.

Saneke ist selbstständiger Zahnarzt und Chef eines zahnärztlichen Zentrums und er fliegt als Pilot bei der Lufthansa den Airbus A340 im weltweiten Streckennetz. In seinem Vortrag im Betriebsrestaurant der Firma Bosch Rexroth analysierte er Entscheidungsabläufe im Cockpit  und an der Spitze von Unternehmen, zog Vergleiche und suchte nach Schwachstellen und Verbesserungsmöglichkeiten. „Menschliches Versagen“ zerfalle in verschiedene Kategorien - von grober Fahrlässigkeit und bewusster, Missachtung von Regeln bis zur leichten, oft aber folgenschweren Unachtsamkeit. Eine der wichtigsten Ursachen für Katastrophen sei der „Mangel an Fantasie für Probleme“.

Damit ist nichts anderes gemeint, als „Murphys Gesetz“: „Alles, was theoretisch schief gehen kann, geht irgendwann schief.“ Chefs, die nicht auf ihre Angestellten hören, warf Saneke mangelnde Professionalität vor. Im „Dreamteam alter Art“ erteile der Chef Anweisungen, treffe Entscheidungen und wisse alles, der Mitarbeiter führe die Anweisungen aus, trage Entscheidungen mit und wisse oft mehr, als der Chef ahnt. Zur Vermeidung von Fehlern sei aber die Arbeit in einem Team notwendig, in dem alle zusammenarbeiten und in ständiger Kommunikation miteinander stehen.

 Lautes Denken ist gefragt

“ Das sei inzwischen Praxis in den Cockpits, wo Pilot und Copilot gleichberechtigt seien. In der Wirtschaft habe sich dieses Prinzip bisher nur im Sektor der Banken und Sparkassen durchgesetzt. Geradezu erschreckend im Blick auf geschichtliche Erfahrungen seien die Ergebnisse des „Milgram-Experiments“, die zeigen, dass für die meisten Menschen das Bestreben, ihre „Pflicht“ zu erfüllen immer noch einen höheren Stellenwert habe, als ihr eigenes Gewissen. Seine Ausführungen begleitete der Referent mit vielen Grafiken und kurzen Filmsequenzen und würzte sie mit zum Teil drastischen Vergleichen zwischen seinen beiden Berufen (,‚Der Arzt begräbt seine Fehler —der Pilot wird mit ihnen begraben.“ - Oder: „Wenn Piloten bei der Weiterbildung so arbeiteten, wie Arzte. .)

Flugangst, so Saneke, sollte trotz Katastrophen nicht aufkommen. Es passieren nach wie vor Flugzeugunfälle, aber gemessen an der Zunahmen des Luftverkehrs sei die Sicherheit im Flugverkehr sehr viel größer geworden. „Das Gefährlichste am Fliegen ist die Fahrt zum Flughafen.“

Zeitungsausschnitt aus der Mainpost

 

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