Artikel aus dem, Lohrer Echo vom 03.09.2009



"Testosterongesteuerte Männer mit Herdentrieb"

 

Krise: Sparkassen-Chef Rudolf  Fuchs über die Ursachen

 

LOHR. Der Herdentrieb des Menschen ist nach Ansicht von Dr. Rudolf Fuchs schuld daran, dass aus dem »lokalen Problem« geplatzter amerikanischer Immobilienkredite ein weltweiter Flächenbrand wurde. Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Mainfranken sprach am Dienstagabend bei einer Veranstaltung von Sparkasse und Arbeitskreis auf Burg Rothenfels im Lohrer Sparkassensaal über die Finanz, -und Wirtschaftskrise. Möglichst viele Amerikaner sollten sich eigene Häuser leisten können,deshalb habe die US-Notenbank die Zinsen immer weiter gesenkt, schilderte Fuchs den Ursprung der Krise. Dass Banken Kredite gekauft und in Wertpapiere umgewandelt hätten, sei nichts neues. So etwas ähnliches gebe es seit 1769 in Deutschland als Pfandbriefe.Die Tranchierung und Staffelung dieser Wertpapiere nach Bonität sei dagegen »progressiv und gefährlich« gewesen, so Fuchs. Die »wahnsinnige Rating -Gläubigkeit« habe dann den Wertpapieren eine »vermeintliche Sicherheit beigepackt«. Das alles hätte in Deutschland noch zu keinen Problemen geführt, weil die Wertpapiere eigentlich mit Eigenkapital hätten unterlegt werden müssen.»Ich bin jetzt über 60, nun kann ich darüber reden«, leitete Fuchs seinen Bericht ein, wie deutsche Banken durch die Gründung von Zweckgesellschaften im Ausland die deutsche Bankenaufsicht und die Unterlegung mit Eigenkapital umgingen. Zudem hätten sie langfristige Papiere kurzfristig refinanziert. »Das ist tödlich.« Als die Zinsen wieder gestiegen seien, habe die Krise voll durchgeschlagen.

 

 Risikobewertung versagt

 

" Die Amis haben gewusst, welche Risiken sie eingehen, deshalb haben sie die Kredite ja in allerhand Papiere verpackt", meinte Landtagsabgeordneter Eberhard Sinner in der anschließenden Diskussion. Deutsche Banken beschäftigten "hunderte von Leuten für die Risikobewertung". Er könne deshalb nicht verstehen, dass sie dennoch Papiere gekauft hätten, die in der Fachpresse bereits 2007 als problematisch bezeichnet worden seien.

"Sie haben gekauft, weil alle gekauft haben", erwiderte Fuchs. Es sei nun einmal so, dass "Menschen anderen wegen des Herdentriebs hinterherlaufen". Das gelte besonders für "testosterongesteuerte" Männer, "die Freuen sind eigentlich die Vorsichtigeren".

Außerdem hätten alle geglaubt, dass hinter den Papieren "viele Häuser in vielen Regionen der USA " stünden.

Der frühere Bundestagsabgeordnete Peter Keller (Zellingen) bezeichnete die Politik als »Teil des Problems« und  forderte »weltweit einigermaßen vergleichbare Kontrollinstrumente«. Die riesigen Bonuszahlungen für Banker seien womöglich rechtlich in Ordnung, bestimmt aber nicht moralisch. »Wer entscheidet denn über die Bonuszahlungen?«, fragte Fuchs. Das seien die Aufsichtsräte, die »Boni-Banker« hochjubelten, wenn sie 25 Prozent Eigenkapitalrendite als Ziel ausgäben. Die Sparkasse habe hier 15 Prozent angestrebt, »wir haben sie nicht geschafft«.« Das grundsätzliche Problem sah der Vorstandsvorsitzende darin, dass Europa immer mehr den anglo-amerikanischen Regeln gefolgt sei.»Hätten wir an unseren eigenen Regeln festgehalten, wie sie beispielsweise im Handelsgesetzbuch stehen, hätte es nie eine Krise in diesen Ausmaßen gegeben.«

 

Kreditklemme

 

Wilfried Grampp wollte von Fuchs wissen, warum sich die Banken trotz der Garantien der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bei der Kreditvergabe. zurückhalten. Die KfW bürgt laut Fuchs nur für 80 Prozent es ausgegebenen Geldes. Für den Rest müsse die jeweilige Bank gerade stehen. Dennoch vergebe die Sparkasse. Mainfranken »jeden vertretbaren Kredit«. Das sei einer, »der auch zurückgezahlt wird«. Die Kreditsumme seines Hauses sei um 0,5 Prozent gestiegen, sagte Fuchs. Derzeit gebe es eine verstärkte Kreditnachfrage für Eigentumswohnungen:" Die Leute wollen reale Werte".