Motivator »mit fittem Restkörper«

 

Vortrag: Gerd Schönfelder fesselt mit seinem Leben und seinen Erfahrungen die Zuhörer in Lohr

 

 

 

 

 

Gerd Schönfelder fesselt mit seinem seinem Erfahrungsbericht das Publikum

 

»Ich bin nicht behindert, bei mir schaut es nur so aus!«

 

 

Nicht nur mit seinem Humor hat Gerd Schönfelder, der erfolgreichste Teilnehmer in der Geschichte der Winter-Paralympics, an die 300 Zuhörer am Montagabend im Betriebsrestaurant von Bosch Rexroth mit seinem Vortrag »Spitzenleistung mit Handicap« 75 Minuten lang eindrucksvoll in seinen Bann gezogen.

 

 Der »Fast-Franke« aus Kulmain in der Oberpfalz schilderte in der Veranstaltung der Sparkasse Mainfranken und des Arbeitskreises auf Burg Rothenfels, wie der 11. September 1989 alles veränderte, als er als 19-Jähriger bei einem Zugunfall seinen rechten Arm und vier Finger der linken Hand verlor. »Ich hatte wahnsinnig viel Glück, dass ich überlebte«.
Die Familie, Freunde, die Motivation (»Es muss weitergehen«) und vor allem der Sport ließen ihn nicht verzweifeln. Er spielte wieder Fußball in der Bezirksliga, begann wieder Ski zu fahren (als Zwölfjähriger war er schon bayerischer Vizemeister gewesen) und hatte im November 1990 seine erste Begegnung mit Behindertensportlern, »lauter Kaputte«.


Ein Zeh, der ihm als Gegenstück zum verbliebenen Daumen von einem Chirurgen, an die Hand genäht wurde, war ein wichtiger Fortschritt. »Der Zeh hat einen Aufstieg gemacht und sieht etwas von der Welt«, scherzte Schönfelder. Die Prothese als rechter Arm behinderte ihn mehr als sie nützte. »Wegen der Leute« trug er sie, aber nicht lange. Als er seine Freundin kennenlernte, ging es »stetig bergauf«.


Als 20-Jähriger startete er seine beispiellose Karriere als Rennskifahrer bei den Behindertensportlern. »Geht nicht, gibt’s nicht« und sei »offen für alles!« waren und sind zwei seiner Devisen. Der Ausnahmesportler probierte alles aus: Radfahren, Tauchen, Golfen und Kitesurfen.
Schönfelder machte deutlich, wie er seine sportliche Ziele umsetzte, mit Prinzipien wie »immer an den Besten orientieren«, Spaß am Training, Leistungsdiagnostik und zielgerichteter Vorbereitung.

 Beispielsweise hat er sich auch nach den Leistungswerten von Felix Neureuther gerichtet. Im Bereich Ausdauer war er sogar besser, verriet er nach dem Vortrag im Gespräch.

Vor seinen letzten Olympischen Spielen in Vancouver hatte in dem Vorbereitungsjahr rund 12 000 Kilometer auf dem Fahrrad, 18 Stunden in der Woche im Kraftraum und 140 Tage Skitraining absolviert.


Mit berechtigtem Stolz zeigt er dem begeisterten Lohrer Publikum eine seiner Goldmedaillen und ließ sie durch die Reihen reichen.

  

 

Lohrer Echo,am 5.11.2014 Hans Lembach