Ausflug nach Mainhattan - in die Bankenstadt Frankfurt

 

 

 

 

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Großes Interesse beim Arbeitskreis auf Burg Rothenfels an der Deutschen Bundesbank

 

Fährt man mit dem Zug nach Frankfurt, erblickt man im Osten der Stadt auf dem ehemaligen Gelände der Großmarkthalle einen rund 185 m hohen spektakulär verdrehten Doppel-Büroturm, in dem seit 2015  Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) residiert und mit über 2.500 Mitarbeitern aus 19 europäischen Mitgliedstaaten die Preisstabilität im Euroraum garantieren soll, um so die Kaufkraft der gemeinsamen Währung in Europa zu gewährleisten.

 

Äußerlich weniger modern in einem Gebäudekomplex aus den 70er Jahren, jedoch für Die Bundesrepublik Deutschland nicht minder bedeutsam, stellt sich die Deutsche Bundesbank (DBB) im Frankfurt-Bockenheim vor. Sie war das Ziel von 50 Mitgliedern des Arbeitskreises auf Burg Rothenfels.

 

Matthias Endres, ein gebürtiger Lengfurter mit Sparkassenvergangenheit und heute bei der DBB im Zentralbereich Kommunikation tätig, hielt zunächst einen Vortrag mit dem Thema:

 

„Der Euro wird 20 Jahre alt – eine Zwischenbilanz.

Und wozu braucht es noch die Bundesbank?“

 

In der Zentrale der DBB arbeiten über 5.000 Beschäftigte. Sie gliedert sich in Deutschland dezentral in 19 Hauptverwaltungen (2840 Beschäftigte) mit 35 Filialen (2675 Beschäftigte).

 

Der Vorstand, der auf Vorschlag der Bundesregierung bzw. des Bundesrates gebildet wird, besteht aus Präsident Dr. Jens Weidmann, einer Vize-Präsidentin und vier weiteren Vorstandskollegen.

 

Auf europäischer Ebene ist für die 19 Euroländer im Eurosystem mit einer Bevölkerung von ca. 337 Mio. übergeordnet die EZB zuständig. Jedoch unterhält jedes einzelne Mitgliedsland eine Nationale Zentralbank und hat einen eigenen Finanzminister. Die Kernaufgaben der DBB sind, die Wirtschaft über die Geschäftsbanken mit Geld zu versorgen und v.a. die Währungsstabilität zu sichern. Wesentlich dabei ist die Unabhängigkeit der DBB, d.h. sie steht für eine Geldpolitik, die nicht einer Regierungspolitik ausgeliefert sein kann. Gerade die Einführung des Euro und das Ringen um seinen Wert haben immer wieder auch zu Krisen im Euroraum (Bsp. Griechenland) geführt.

 

 Der Referent hat die 20 Jahre Euro-Geldpolitk so überschrieben:

 

„Von Flitterwochen (1998 – 2007) über Gewitter (2007 – 2010) bis zum angekündigten Exit (2018 - ?)“

 

Die Bilanz fällt also gemischt aus: Als Pluspunkte kann man eine relativ geringe Inflationsrate von unter 2 % anführen; außerdem ist der Euro als Währungsverbund in Hochzeiten der Finanzkrise nicht auseinandergebrochen. Als Minuspunkte könnte man erwähnen, dass sich die EZB mit Aufgaben überlädt und als Notenbank Aufgaben übernimmt, für deren Lösung eigentlich die Politik zuständig sein sollte (z.B. An-käufe von Staatsanleihen).

 

20 Jahre Euro heißt für die DBB, dass sie nach dem Subsidiaritätsprinzip geldpolitische Beschlüsse des Eurosystem in Deutschland umsetzt. Natürlich ist die EZB die zentrale Entscheidungs- und Koordinierungsstelle, während die operativen Aufgaben eben bei den nationalen Zentralbanken -für die Bundesrepublik die DBB- verbleiben.

 

Endres’ Fazit: „Der Gourmet-Happen ist weg, aber der Hauptgang des Menüs ist geblieben.“

 

In der anschließenden Diskussion ging es um eine mögliche Bargeldabschaffung, Negativzinsen, um Cyberwährung und die Spekulation digitaler Währungen mit Bitcoins. Interessant auch die Aussage von Herrn Endres zum Brexit, den er sehr bedauert, denn gerade die Briten dächten bankenpolitisch ähnlich wie die Deutschen, im Gegensatz zu den Südländern im Euroraum.

 

Nach der Mittagspause standen auf dem Programm das Geldmuseum der DBB sowie die Sonderausstellung „Gold“, die noch bis zum 30.09.18 andauert.

 

Mit 3.374 t verfügte Deutschland Ende 2017 über die zweitgrößten Goldreserven der Welt, die in den Tresoren der DBB zu 50,7 %, in der Federal Reserve Bank in New York zu 36,6 % und in der Bank of England zu 12,7 % aufbewahrt werden.

 

Im Geldmuseum wird die Welt des Geldes erlebbar: Wie wird Bargeld hergestellt, was ist Buchgeld, wie funktioniert Geldpolitik und was macht eigentlich eine Zentralbank? Welche Rolle spielt Geld in der globalisierten Welt?

Das Geldmuseum kann man besonders Schulen empfehlen, zumal neben Führungen auch Workshops angeboten werden.

 

Nach dem Besuch der DBB brachte der Bus die Mainspessarter in die City von Frankfurt. Ein Highlight für jeden Frankfurt-Entdecker ist der Main Tower der Helaba (Hessisch-Thüringische Landesbank), wo wir von der Aussichtsplattform in 200 m Höhe einen aufregenden Blick auf die Stadt mit ihrem Umland werfen konnten. Der Römer, die Paulskirche, der Eiserne Steg über den Main, die Zeil, die Alte Oper, die Börse, etc. erscheinen zwischen den Hochhäusern wie aus dem Legoland. Der Blick schweift hinaus über die einzigartige Skyline zur Commerzbankarena und zum Flughafen bis in den nahen Taunus.

 

„Money makes the world go round“, ein Zitat, das u.a. Liza Minnelli in ihrem Songtext publik gemacht hat. Ja, „Geld regiert die Welt“ war sicherlich auch manchem Besucher aus MSP schon vorher bewusst, aber gerade die andauernde Diskussion um den Euro, verbunden mit einem europäischen politischen Ränkespiel, machte die Aussage für die Mitglieder des Arbeitskreises eher noch anschaulicher.

 

 

 

   

 

 

 

     

 

 

Robert Engelhardt

Arbeitskreis auf Burg Rothenfels